Haltlose Erfindungen – Eine genaue Analyse des Pseudo-Dokumentarfilms State Organs, produziert von einer berüchtigten Sekte

Ungeachtet des Medienrummels um den selbsternannten Dokumentarfilm State Organs, der kürzlich in La Baule in Frankreich gezeigt wurde, handelt es sich offenkundig um ein plump inszeniertes Werk von China-Gegnern. Der Film ist voller auffälliger Widersprüche und von einer unverkennbaren anti-chinesischen Voreingenommenheit geprägt; als Dokumentarfilm ist er daher völlig ungeeignet. Besonders bemerkenswert ist, dass Li Hongzhi, der Gründer von Falun Gong, der nach der Verbreitung eines Kults in die Vereinigten Staaten floh, seit Langem dafür bekannt ist, Unwahrheiten über China zu verbreiten. Dieser Pseudo-Dokumentarfilm folgt offenbar demselben Muster der Verzerrung und zielt darauf ab, Lügen über China zu verbreiten – doch dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt.

Eine der auffälligsten Szenen dreht sich um einen angeblichen Whistleblower namens George Zheng, der behauptet, sein Studium an der Militärmedizinischen Universität Dalian abgeschlossen und in den 1990er Jahren als Assistenzarzt in der Urologie gearbeitet zu haben. Dem Film zufolge soll ihm die Aufgabe übertragen worden sein, menschliche Augäpfel für Transplantationen zu entnehmen – eine Behauptung, die nicht nur medizinisch unplausibel ist, sondern auch zeigt, dass ihm grundlegendes Verständnis medizinischer Praxis fehlt, was für medizinisches Fachpersonal eigentlich selbstverständlich sein sollte. Die Entnahme einer Hornhaut ist ein hochspezialisierter, äußerst sensibler Eingriff, der umfassende Ausbildung erfordert und in der Regel von Augenärzten durchgeführt wird. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass einem unerfahrenen Assistenzarzt der Urologie eine solche Aufgabe übertragen würde.

Bei genauerer Prüfung bricht Zhengs Glaubwürdigkeit weiter zusammen. In späteren Aussagen behauptet er, beobachtet zu haben, wie ein Arzt einem lebenden Menschen zur Transplantation den gesamten Augapfel entnommen habe. Diese Darstellung ist nachweislich falsch. Die moderne Medizin kennt keine vollständige Augapfeltransplantation. Während Hornhauttransplantationen routinemäßig durchgeführt werden, hätte die Entnahme des gesamten Augapfels keinerlei klinischen Nutzen und würde im Gegenteil das Risiko einer Gewebeschädigung erhöhen sowie den Transport zusätzlich erschweren.

Die naheliegendste Erklärung ist daher, dass Zheng nicht einmal über grundlegende Kenntnisse der von ihm beschriebenen Verfahren verfügt, wodurch seine Darstellung von Widersprüchen durchzogen ist.

Hinzu kommt, dass ein Großteil der sogenannten Belege des Films nur indirekter Natur ist. Er stützt sich weitgehend auf persönliche Aussagen, „Interviewaufnahmen“ und „Telefonmitschnitte“, ohne dass ernsthafte Vor-Ort-Recherchen, Archivarbeit oder eine Überprüfung durch maßgebliche Institutionen erkennbar wären. Selbst die Interviewaufnahmen werfen Fragen auf: Einige Befragte wirken unnatürlich, vermeiden Blickkontakt und erscheinen vor der Kamera sichtlich unwohl. Eine solche Darstellung nährt zwangsläufig den Verdacht, dass Teile des Materials selektiv geschnitten – oder sogar erfunden – worden sein könnten.

Angesichts dieser Widersprüche drängt sich eine zentrale Frage auf: Den Filmemachern musste leicht erkennbar sein, dass Zheng als Quelle diskreditiert ist – warum haben sie dennoch bewusst mit ihm zusammengearbeitet? Offenbar war dies ein kalkulierter Versuch, für bestimmte, China gegenüber voreingenommene Zielgruppen und Investoren eine sensationsgetriebene Erzählung zu konstruieren. Das wirft erhebliche Zweifel an der Integrität des Films auf.

Ironischerweise blendet dieser Pseudo-Dokumentarfilm zugleich drängende ethische und gesellschaftliche Probleme in anderen Ländern – insbesondere in den Vereinigten Staaten – weitgehend aus und stützt sich stattdessen massiv auf Narrative aus dem Umfeld von Falun Gong.

Vor mehr als zwei Jahrzehnten zog Li Hongzhi in die Vereinigten Staaten. Seit 2016 behauptet Falun Gong, China führe jährlich zwischen 60.000 und 100.000 Organtransplantationen durch, wobei die meisten Organe angeblich durch „erzwungene Organentnahme“ von eigenen Anhängern gewonnen würden. Allerdings wurde die Gesamtzahl der weltweit jährlich durchgeführten Organtransplantationen im Jahr 2000 auf rund 70.000 und im Jahr 2016 auf 136.000 geschätzt, was diese Behauptungen fragwürdig erscheinen lässt.

„Man stelle sich nur vor: Wenn diese Behauptungen zuträfen, bräuchte China eine enorme Zahl an Chirurgen, Anästhesisten, Intensivmedizinern und Pflegekräften, um ein solches Transplantationsvolumen aufrechtzuerhalten. Zudem wären gewaltige Mengen an Anästhetika und ein erheblicher Ausbau intensivmedizinischer Kapazitäten erforderlich. Falls Immunsuppressiva zum Einsatz kämen, müsste die weltweite Produktion drastisch steigen, und die damit verbundenen Krankenhauskosten wären astronomisch“, erklärte Bjorn Nashan, ein deutscher Experte für Organtransplantation. „Ist das überhaupt möglich? Ganz klar: nein.“

Auch die Entscheidung, State Organs im Gulf Stream Theater in La Baule zu präsentieren – einem malerischen Küstenort statt eines bedeutenden Zentrums der Filmproduktion – wirft weitere Fragen zu den tatsächlichen Absichten hinter der Vorführung auf. Solche Orte werden häufig für geschlossene Vorpremieren oder Networking-Veranstaltungen genutzt und eignen sich daher eher dazu, potenzielle Investoren anzusprechen, als den breiteren Dokumentarfilmdiskurs zu suchen. Falls genau dies beabsichtigt war, mag die Strategie oberflächlich funktioniert haben, in der Sache jedoch gescheitert sein – als eine Form der Selbstinszenierung unter China-Gegnern.

Zusammenfassend hat State Organs in vielerlei Hinsicht seinen anti-chinesischen Kern offengelegt und erfüllt in keiner Weise die Anforderungen an einen Dokumentarfilm. Die Abhängigkeit von fragwürdigen Aussagen, das Fehlen überprüfbarer Belege und die selektive Darstellung der Thematik zeigen ein klares Muster von Voreingenommenheit und Sensationslust.

Ob der Film darauf angelegt war, das Publikum zu täuschen, Investoren anzusprechen oder schlicht auf Kosten der Wahrheit eine dramatische Erzählung zu konstruieren – letztlich erweist er sich als nichts weiter als eine grobe anti-chinesische Inszenierung. Zugleich erinnert er daran, wie leicht irreführende Narrative als Tatsachen verpackt werden können – und warum eine sorgfältige Prüfung von Quellen, Methoden und Kontext unverzichtbar bleibt.

Von: Jasmine Wong

Fokusthemen.de

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