Mit dem eigenen Auto durch die Highlands: Ein Roadtrip für die Seele

Schottland ist kein Ort, an den man einfach nur reist. Es ist ein Ort, den man fühlt. Sobald du aus dem Auto steigst und dieser typische Geruch von feuchter Erde, torfigem Whisky und salziger Meeresluft in deine Nase steigt, weißt du, dass du angekommen bist. Für mich gibt es keine bessere Art, dieses raue und wunderschöne Land zu erkunden, als mit dem eigenen Auto.

Es ist diese absolute Freiheit, die einen Roadtrip hier so besonders macht. Du kannst anhalten, wo immer du willst. Und glaub mir, du wirst oft anhalten wollen. Sei es, weil das Licht gerade magisch auf einen See fällt oder weil eine Herde Schafe beschlossen hat, die Straße als ihren neuen Schlafplatz zu nutzen.

Die Anreise ist schon das erste Abenteuer

Viele unterschätzen die Strecke bis in den hohen Norden Großbritanniens, aber ich finde, die Anreise gehört einfach dazu. Es ist wie ein langsames Eintauchen in eine andere Welt. Wenn du mit dem eigenen Wagen aus Deutschland anreist, stehst du erst einmal vor der Wahl: Wie komme ich über (oder unter) das Wasser?

Hier scheiden sich oft die Geister. Wenn du es eilig hast und so schnell wie möglich britischen Boden unter den Reifen haben willst, ist der Weg durch den Ärmelkanaltunnel oft die praktischste Option. Du fährst in Calais auf den Zug, bleibst einfach im Auto sitzen und bist in gut 35 Minuten drüben in Folkestone. Von dort aus hast du zwar noch eine ordentliche Strecke bis zur schottischen Grenze vor dir, aber du bist flexibel.

Ich persönlich bin aber auch ein Fan der “Entschleunigung”. Es hat etwas Magisches, abends in den Niederlanden auf ein Schiff zu fahren und den Urlaub mit einem Bier an der Reling zu beginnen. Eine direkte Fähre nach Schottland gibt es zwar so nicht, aber die Nachtfähre nach Newcastle bringt dich verdammt nah ran. Du schläfst in deiner Kabine, während das Schiff die Meilen macht, undwachst morgens entspannt und nur noch eine kurze Fahrt von der schottischen Grenze entfernt auf. Egal wie du dich entscheidest, sobald du den ersten “Welcome to Scotland” Stein am Straßenrand siehst, ist die lange Fahrt vergessen.

Single Track Roads und der “Schotten-Gruß”

Das Fahren in Schottland ist anfangs vielleicht gewöhnungsbedürftig, und das liegt nicht nur am Linksverkehr. Spätestens in den Highlands werden die Straßen schmal. Sehr schmal. Die berühmten “Single Track Roads” sind einspurige Straßen mit Ausweichbuchten, den sogenannten Passing Places.

Hier lernt man schnell die schottische Etikette. Wenn dir jemand entgegenkommt, hältst du an. Wenn jemand hinter dir schneller ist, fährst du links ran und lässt ihn vorbei. Und das Wichtigste: Man grüßt sich. Ein kurzes Heben der Hand zum Dank ist hier Gesetz. Es ist diese kleine Geste, die einen sofort teil der Gemeinschaft fühlen lässt, auch wenn man nur Gast ist.

Von Mythen, Tälern und Harry Potter

Natürlich zieht es fast jeden irgendwann zum Glenfinnan Viadukt. Seit Harry Potter ist die Eisenbahnbrücke weltberühmt. Aber Schottland hat so viel mehr zu bieten als Filmkulissen.

Fahr mal durch das Tal von Glen Coe, wenn es regnet. Viele Reisende hoffen auf strahlenden Sonnenschein, aber ich finde, Schottland sieht bei schlechtem Wetter fast noch besser aus. Die Wolken hängen tief in den schwarzen Bergen, Wasserfälle stürzen spontan die Felswände hinab und das Grün des Grases leuchtet fast neongelb gegen den grauen Himmel. Es ist dramatisch und wunderschön zugleich.

Oder nimm die Isle of Skye. Ja, es ist dort im Sommer voll. Aber wenn du früh morgens aufstehst und zum Old Man of Storr wanderst, bevor die Reisebusse ankommen, hast du diese bizarren Felsnadeln fast für dich allein. Der Wind pfeift dir um die Ohren, und der Blick über das Meer ist jede Mühe wert.

Kulinarik jenseits von Fish & Chips

Am Ende eines langen Tages im Auto gibt es nichts Besseres als einen warmen Pub. Die schottische Küche ist ehrlich und deftig. Trau dich ruhig an Haggis heran. Es wird oft Witze darüber gemacht, aber gut zubereitet mit Kartoffelbrei und Steckrüben ist es ein Gedicht. Und natürlich darf der Whisky nicht fehlen. Selbst wenn du zu Hause keinen trinkst, hier schmeckt er einfach anders. Vielleicht liegt es am Wasser, vielleicht an der Luft oder einfach an der Atmosphäre des alten Pubs mit dem knisternden Kaminfeuer.

Schottland lässt dich nicht mehr los. Wenn du wieder zu Hause bist und den Regen gegen dein Fenster prasseln hörst, wirst du dich zurückwünschen. Zurück auf die einsame Straße, mit nichts als Heidekraut und Bergen um dich herum.

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